Anstatt mir DAAU in Zürich reinzuziehen, beschloss ich eine kleine Reise nach Bern ins ISC zu unternehmen, um dort eine anderer Aufführung der belgischen Truppe zu geniessen.
DAAU 21Uhr stand auf dem Plakat vor der Türe. Als mich um 23 Uhr Buni Lenski, Violinist von der Truppe, auf dem Sofa in gebrochenem Deutsch um Feuer bat, wurde mir bewusst, dass der Ausflug nach Bern wohl ein wenig länger als geplant dauern wird, denn trotz der idealen Lage des ISCs nähe Bahnhofes, würde ich wohl den letzten Zug verpassen.
Ein wenig später begannen die Belgier dann aber dennoch, auch wenn anfangs nur zu dritt. Mit Violine, Klarniet und Akordion ergab sich eine ganz spezielle Musikrichtung, welche mich mehr an osteuropäische Volksmusik erinnerte, als die DAAU, welche ich erwartete.
Als das ganze dann noch chaotisch wurde, fragte ich mich ernsthaft, ob das wohl auch meine Begleitung schön finden würde, denn so klar war es bei dieser Musik definitiv nicht.
Nach ein paar Liedern, kamen weitere Musiker auf die Bühne. Mit dem Schlagzeuger und einem Bass wurde der Sound kompletter und es gefiel mir auf einen Schlag besser.
Bei einer Band, welche sich Die Anarchistische Abendunterhaltung nennt, denkt wohl schnell einer mal an Punk. Doch mit Punk hatte das ganze wenig zu tun. Viel mehr bezog sich die Anarchie wohl auf ihre Musikarragements, welche nach aussen mit Chaos gefüllt wurden. Doch der Schein trügt, denn das ganze ist einstudiert und tönt wahrscheinlich im nächsten Konzert genau gleich. Die Anarchie ist also eingespielt und vorgetäuscht, was man demzufolge als Kunst bezeichnen kann.
Manchmal war das Chaos für meinen Geschmack zu chaotisch und die Harmonien waren so unharmonisch, dass es in meinen Ohren schmerzte. Doch es gab auch ein Wechselspiel zwischen totalem Chaos und wohlklingenden Harmonien. Auf einen Schlag, passte plötzlich alles wieder zusammen und klang wunderschön. Diese Wechsel sind das typische für die belgische Band und waren auch oft die Höhepunkte des Abends.
Mich erinnerte dies oft an Ursus & Nadeschkin, welche ihr chaotisches Sprechen mit einheitlichem paaren.
Sowieso war das Konzert für mich eher wie ein Theater, bei welchem ich aktiv aufpassen und zuschauen musste und nicht wie es sonst oft vorkommt, mit der Musik davon schweben.
Da ich die aktuelle Scheibe Tub Gurnard Goodness kenne, kamen mir die einfachen Melodien, dessen sich DAAU bediente, bekannt vor, doch von einzelnen Tracks zu sprechen, wäre trotzdem zuviel verlangt.
Das Konzert war alles in allem eine Ohren-Abenteuer, interessant schön und schrecklich zugleich. Leider bedienten sich die Belgier weniger der Elektronik als das letzte Mal in Stäfen, was für mich die einzige Endtäuschung des Abends war.
(jf)
|